Wankdorf-City (Bern) 46,4 Millionen Franken für die Aussengestaltung

Im Norden von Bern soll auf dem städtischen Gelände des ehemaligen Schlachthofes "ein einzigartiges Berner Wirtschafsviertel" entstehen. Die Zone ist Teil des Entwicklungsschwerpunktes (ESP) Wankdorf. Zwei private InvestorInnen führten Wettbewerbe für die Hochbauten durch. Die Gestaltung der öffentlichen Räume liegt in der Hand des Arealeigentümers, dem Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik der Stadt Bern. Für die Umsetzung der Aussenraumgestaltung will die Stadt nun 46,6 Millionen Franken bereitstellen und stockt den ursprünglichen Kredit aus dem Jahr 2005 um 25,6 Millionen auf - was aber noch vom Volk angenommen werden muss (link_ikon siehe unten im Bund-Artikel).

link_ikon Vorstellung Siegerprojekt Aussenraum

Im Rahmen der Umnutzung des Geländes sollen in erster Linie Bürogebäude entstehen, neben den ca. 15 % komplementäre Angebotsbereiche wie Gastronomie, Detailhandel oder Entertainment ist eine Wohnnutzung mit optionalen 5% vorgesehen. Für positives Echo sorgte unlängst als die SBB (Schweizerische Bundes-Bahnen) kommuniziert, dass sie ihren Hauptsitz in das neu entstehende Büroviertel verlegen wolle. (link_ikon Der Bund, 2. Juni 2010 / Stadt Bern).

Gesamthaft stellt sich das Projekt in eine Reihe mit den in den letzten Jahren gezielt am Berner Stadtrand durchgeführten Aufwertungs- und Umnutzungsprojekten. Ein Blick auf die beiden städtischen Karten, welche das Planungspotential bis 2020 abstecken, zeigt deutlich auf, wo die Stadt ihren Schwerpunkt räumlich legt.

link_ikon Plan - Stadtentwicklungspotenziale
link_ikon Plan - Strategie bis 2020

Bezüglich der Verfügbarkeit von Bauland betont die Stadt im Bericht "Bauliche Stadtentwicklung Wohnen" aus dem Jahr 2007:
Auch wenn zusätzlich politisch oder von der Verfügbarkeit her umstrittene Areale berücksichtigt werden, wie das Viererfeld, Wittigkofen oder die Überbauung von Familiengarten arealen, kann der Wohnraumbedarf für ein Bevölkerungswachstum von 5,6% oder 10% nicht gedeckt werden [link_ikon die Stadt strebt bis 2020 140'000 EinwohnerInnen an, Stand 2010 130'00, d. Verf.] Deshalb müssen planerische Massnahmen getroffen werden, um die Entwicklung auch ausserhalb der bebauten Stadt zu ermöglichen. […] Für eine Stadterweiterung bieten sich in der Stadt Bern nur Bern Ost, Bern West oder die Rodung von Waldarealen an. (S. 4)
Im selben Bericht wird schliesslich auch deutlich, um was es den städtischen Behörden beim Projekt der Vergrösserung der Stadt auf 140'000 EinwohnerInnen geht:
Für die Stadt Bern ist die Bedeutung der natürlichen Personen für den Steuerertrag der Stadt Bern gross. Ihr Anteil am Steuerertrag liegt über 80%, währenddem juristische Personen nur für rund 20% der Erträge verantwortlich sind. (S. 12) Den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern muss gezeigt werden, dass ein Bevölkerungswachstum vor allem aus finanziellen Gründen für die Stadt notwendig ist und diesbezüglich auch Konsens bei den städtischen Parteien herrscht.(S.27)
Die Ursache für den Trend zur Aufwertung findet sich aber gleich zu Beginn des städtischen Dokumentes:
Die Alterung des Wohnungsbestands, die Wohnungssanierungen und die Neubautätigkeit führen – insbesondere über die daraus resultierenden Mietpreisstrukturen – zu Änderungen im sozialen Gefüge der Quartiere. Hohe Anteile an nicht sanierten, für Familien wenig geeigneten bzw. den heutigen Ansprüchen nur teilweise genügenden Wohnungen bedeuten tiefere Mietpreise, die wiederum für Menschen mit tiefen Einkommen interessant sind und den Prozesse der «A-Stadt»Bildung fördern.(S. 4)
link_ikon Bericht-Bauliche Stadtentwicklung Wohnen

Weitere Infos zum Projekt
link_ikon wankdorfcity.ch

Die geplante Zone (ESP Wankdorf):


Die Vision:




Christian Brönnimann, Der Bund, 2.6.10 Quelle: Medienspiegel

Kommission befürwortet Wankdorf-City-Millionenkredit

Trotz Kostensteigerung gibt die zuständige Stadtrats- kommission grünes Licht für den Kredit von 25,6 Millionen Franken für die Gestaltung des Wankdorf-City-Areals.

Auf dem Areal des ehemaligen Schlachthofs im Norden Berns soll Grosses entstehen. Geplant ist ein neues Geschäfts- und Dienstleistungsquartier mit Tausenden von Arbeitsplätzen. Die SBB und die Baufirma Losinger wollen Bürokomplexe erstellen. Die Planungswettbewerbe der Baurechtnehmer für die Grossprojekte sind bereits abgeschlossen. Im Rahmen der Verhandlungen wurde ausgemacht, dass für die Gestaltung des Aussenraumes auf dem Areal die Stadt aufzukommen hat.

In der Abstimmungsbotschaft von 2005 zur Abgabe des Schlachthofareals im Baurecht war von Anlegekosten von total 28 bis 30 Millionen Franken die Rede. Vor Monatsfrist hat der Gemeinderat nun eine Kreditaufstockung auf total 46,4 Millionen Franken beantragt. 20,8 Millionen Franken hat das Volk bereits in der Abstimmung von 2005 genehmigt. Die restlichen 25,6 Millionen Franken sollen ihm im kommenden Herbst vorgelegt werden. Zuvor wird der Stadtrat über das Geschäft befinden.

Parkanlage gab zu reden
Am Montag hat die vorberatende Kommission für Finanzen, Sicherheit und Umwelt (FSU) über den Millionenkredit gebrütet. Resultat: Sie beantragt dem Stadtrat, den Kredit anzunehmen. "Die FSU teilt die Auffassung des Gemeinderats, dass das Geschäft aus der Sicht der Stadt wirtschaftlich und finanziell nachhaltig ist, da die hohen Anfangsinvestitionen durch langjährige und wiederkehrende Erträge aus den Baurechtszinsen kompensiert werden", schreibt die Kommission in einer Mitteilung.

Innerhalb der Kommission seien auch kritische Voten gefallen, sagt FSU-Kommissionspräsident Peter Bühler (SVP). Zu reden gegeben habe zum Beispiel der geplante Park zwischen der Stauffacherstrasse und den Baufeldern. Dessen Notwendigkeit sei infrage gestellt worden. Schlussendlich habe man sich aber entschieden, keinen Kürzungsantrag zu stellen, sagt Bühler. Seine Begründung: "Eine blosse Wiese würde Randständige oder alternative Gruppen wie die Stadttauben anlocken. Deshalb ist es besser, einen schönen Park zu erstellen." Die Kosten hierfür betragen laut Bühler zwei bis drei Millionen Franken. In der ursprünglichen Überbauungsordnung war noch keine Parkanlage vorgesehen. Dass auf dem Areal überhaupt eine solche entstehen soll, war nachträglich per geringfügige Änderung in die Überbauungsordnung aufgenommen worden.

Kostensteigerung nachvollziehbar
Das Kreditbegehren und die Kostensteigerung an sich seien für die Kommission nachvollziehbar, sagt Peter Bühler. "Die Begründung des Gemeinderates ist in Ordnung." Vor fünf Jahren sei man noch von ganz anderen Voraussetzungen ausgegangen; wie das Areal konkret aussehen solle, sei noch nicht klar gewesen. Für die Stadt seien die Investitionen ein Nullsummenspiel, so Bühler. "Mit den Aufwendungen für den Aussenraum leistet die Stadt im Prinzip einen Vorschuss. Diesen erhält sie in den nächsten Jahrzehnten über den Baurechtszins wieder zurück." Er glaube, dass die Stadt insgesamt einen guten Deal ausgehandelt habe, sagt Bühler. Gleichzeitig räumt er ein, dass eine Milizkommission wie die FSU dies nur bedingt überprüfen könne.

PVS war kritischer
Kritischer gegenüber dem Kreditantrag ist die Kommission für Planung, Verkehr und Stadtgrün (PVS). Laut FSU-Kommissionsmitglied Corinne Mathieu (SP) hat die PVS einen (folgelosen) Mit-Bericht verfasst, in welchem sie die FSU aufforderte, eine Rückweisung des Geschäfts in Erwägung zu ziehen.

Der Berner Stadtrat wird voraussichtlich am 17. Juni über den Kreditantrag für Wankdorf City beraten.


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