Studiengebühren sollen in der Schweiz gesamthaft steigen, speziell für AusländerInnen

Michael Furger, NZZ am Sonntag, 11. April 2010

«Höhere Studiengebühren für Ausländer sind zumutbar»
Zürcher Bildungsdirektorin will dem Beispiel der Fachhochschulen folgen

Die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli bereitet eine Erhöhung der Studiengebühren vor. Ausländer sollen mehr bezahlen als Schweizer.

NZZ am Sonntag: Regine Aeppli, die Zahl ausländischer Studierender steigt stark. Die Ausbildungskosten zahlen die Universitäten. Sollten da Ausländer nicht höhere Studiengebühren bezahlen?
Regine Aeppli: Es ist zumutbar, von ausländischen Studierenden etwas höhere Gebühren zu verlangen. Die Schweiz ist ein attraktiver Studienort. Dafür dürfen wir einen angemessenen Beitrag verlangen. An den Zürcher Fachhochschulen ist das bereits der Fall. Dort zahlen Ausländer pro Jahr 1000 Franken mehr als Schweizer.

Heisst das, dass Sie die Gebühren für Ausländer an der Universität Zürich anheben werden?
Das Kantonsparlament will beim Budget der Universität Abstriche in der Höhe von 26 Millionen Franken machen. Das ist der Betrag, der einer Verdoppelung aller Studiengebühren entspricht. Für die Universität wäre eine Kürzung um 26 Millionen dramatisch. Deshalb müssen wir überlegen, was auf der Einnahmenseite zu machen ist. Dazu gehören die Studiengebühren sowohl der Studierenden aus dem Ausland als auch derjenigen aus der Schweiz.

Und was machen Sie?
Ich werde dem Regierungsrat im Rahmen der geplanten Sparmassnahmen Vorschläge unterbreiten. Der Regierungsrat wird vor den Sommerferien entscheiden, ob er dem Kantonsrat eine Änderung des Universitätsgesetzes beantragen wird, mit der eine Erhöhung der Studiengebühren möglich ist.

Wie stark werden die Gebühren steigen?
Das kann ich noch nicht sagen.

Und wie viel höher würden die Gebühren für Ausländer ausfallen?
Wie das Beispiel der Fachhochschulen zeigt, wird eine Mehrbelastung von 1000 Franken im Jahr gegenüber Studierenden aus der Schweiz verkraftet. Wer zum Studieren nach Zürich kommt, weiss, dass das teuer ist, nicht so sehr wegen der Studiengebühren als vielmehr wegen der Lebenskosten. Für die Universität ist es wichtig, dass sie wegen zu hoher Gebühren nicht gute Studierende verliert.

1000 Franken mehr sind angesichts der Ausbildungskosten von 13 000 bis 55 000 Franken je nach Fach nicht viel.
In Europa und auch in der Schweiz betrachtet man die Bildung als öffentliches Gut, das allen zugänglich sein soll. Die Gesellschaft ist bereit, in die Bildung zu investieren. Das finde ich richtig. Wenn wir von den ausländischen Studierenden verlangen, dass sie die ganzen Kosten selber tragen, wie das die SVP verlangt, würden wir sie faktisch ausschliessen, denn Jahresbeiträge zwischen 13 000 und 55 000 Franken kann kein Student selbst bezahlen.

Sind Ausländerquoten wie an der Universität St. Gallen in Zürich denkbar?
Quoten sind eine Notmassnahme. Bei uns herrscht keine Not. Die Wissenschaft ist auf internationale Vernetzung angewiesen, und die Schweiz profitiert in hohem Masse davon. In einer globalen Welt braucht es Mobilität und Austausch. Es studieren 6500 Schweizer im Ausland. Wir profitieren auch von den Forschungskrediten der EU. Allein im letzten Jahr hat die Universität Zürich 31 Millionen Franken davon erhalten. Dies gilt es mitzubedenken, wenn man kleinkrämerische Buchhalterrechnungen bei den Ausbildungsbeiträgen macht.

Mit einer Gebührenerhöhung werden Sie vor allem in Ihrer Partei, der SP, auf Widerstand stossen.
Es ist die bürgerliche Mehrheit des Kantonsrates, die das verlangt. Entscheidend ist, dass wir gleichzeitig das Stipendiensystem verbessern. Das Studium muss unabhängig von der sozialen Herkunft möglich sein. Daher wird geprüft, die Kriterien zu lockern, die zum Bezug von Stipendien berechtigen. Aber es gibt an der Universität viele, die auch bei etwas höheren Gebühren ohne Stipendien weiterstudieren können.


Reaktionen
«Die anderen Kantone werden folgen»
Wenn Zürich die Studiengebühren für ausländische Studierende anhebt, werden andere Kantone folgen. Davon ist Antonio Loprieno, Präsident der Schweizer Universitätsrektoren, überzeugt. Es werde nach dem Schritt Zürichs zu einer schweizweiten Harmonisierung der Gebühren auf höherem Niveau kommen, sagt er. Bis es so weit ist, dürfte es allerdings noch etwas dauern. Die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli rechnet mit einer Einführung der höheren Studiengebühren an der Universität Zürich nicht vor 2012.

Ihre Pläne stossen bei Loprieno auf Zustimmung. Dass ausländische Studierende mehr bezahlen, sei in der Tat zumutbar, sagt er. Auch bei der Schweizerischen Universitätskonferenz (SUK), dem Organ der Universitätskantone und des Bundes, sind die höheren Gebühren ein Thema. Es sei für eine der nächsten Sitzungen traktandiert, sagte Generalsekretärin Martina Weiss am Freitag der Westschweizer Zeitung «Le Temps».

Parallel zu dieser Debatte steigt die Zahl der Studierenden und Doktoranden, die für ein Studium aus dem Ausland in die Schweiz ziehen, weiter überproportional. Vor einem Jahr waren es noch 30 500, im laufenden Studienjahr sind es bereits 34 000. Ihr Anteil am der Zahl aller Studierenden stieg von 16,7 auf 17,3 Prozent. (fur.)


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