«Bildung muss für alle offen sein», 1000 an Demo in Zürich

bru, Tages Anzeiger, 12.12.2009

Rund 1000 Studierende haben heute in Zürich gegen eine Studiengebühr-Erhöhung bei den Zürcher Fachhochschulen und der Universität demonstriert.


Foto: Johannes Dietschi, newspictures, tagesanzeiger.ch

Zur Kundgebung in der Zürcher Innenstadt hatten die Zürcher Studierenden-Organisationen zusammen mit dem Dachverband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) aufgerufen. Kritisiert wurden neben der Erhöhung der Studiengebühren auch die Bologna-Reform und die «Ökonomisierung von Bildung».

Mit der Demo werde ein Zeichen gesetzt «gegen die drohende negative Entwicklung der (Hochschul-)Politik auf Kosten der Studierenden», hiess es in einem Communiqué. Die bürgerlichen Parteien im Kanton Zürich wurden aufgefordert, ihre angekündigten Kürzungsanträge bei den Fachhochschulen und der Universität zurückzuziehen.

«Bildung ist keine Ware - Wir zahlen nicht für unsere Bildung», lautete einer der Slogans an der Demo, «Bildung muss für alle offen sein - unabhängig vom Portemonnaie» ein anderer. Bereits heute seien Studiengebühren für viele Studierende und ihre Eltern eine grosse Last, hiess es auf einem Flugblatt. Eine weitere Erhöhung mache sie zu einem unüberwindbaren Hindernis.

Zürich dürfe nicht eine Vorreiterrolle im kulturellen Rückschritt der Gesellschaft einnehmen, wurde überdies festgehalten. Der Kanton müsse vielmehr antizyklisch handeln und in die Bildung - und damit in die Zukunft der Gesellschaft - investieren.

Kantonsrat würde «bildungspolitisches Porzellan zerschlagen»
Gegen eine Erhöhung der Studiengebühren an Hochschulen zum jetzigen Zeitpunkt sprachen sich in Zeitungsinterviews vom Samstag auch ein Bildungspolitiker und ein Hochschul-Vertreter aus.

Der Kantonsrat würde nach Ansicht des Winterthurer Fachhochschul- Rektors Werner Inderbitzin «viel bildungspolitisches Porzellan zerschlagen», wenn er auf das nächste Studienjahr die Verdoppelung der Semestergebühren veranlassen würde.

Die Erhöhung sei «nicht durchdacht und rein finanzpolitisch motiviert», sagte er in einem Interview mit dem Winterthurer «Landboten». Die aktuellen Gebühren sind für Inderbitzin nicht sakrosankt und sollten seiner Meinung nach mittelfristig angepasst werden. Eine Erhöhung müsse aber «gesamtschweizerisch teilweise koordiniert und sozial abgefedert werden».

«Kein gangbarer Weg»
Für den grünen Berner Regierungsrat Bernhard Pulver, der nächstes Jahr die Schweizerische Universitätskonferenz (SKU) präsidiert, ist die Erhöhung der Studiengebühren an Hochschulen «kein gangbarer Weg», wie er in einem Interview mit der Westschweizer Zeitung «Le Temps» vom Samstag sagte.

Dadurch würde Studierenden der Zugang erschwert. «Ich denke aber auch nicht, dass die Studiengebühren abgeschafft werden müssen», sagte Pulver.

Gespart werden könnte bei den Hochschulen laut Pulver beispielsweise, wenn gleiche Studiengänge, die nur von wenigen Studierenden besucht werden, an einer einzigen Universität zentral angeboten würden.

Dennoch bleibe die Universität eine Institution, die wegen der steigenden Studierendenzahlen Geld benötige. Wer die Qualität behalten wolle, müsse mehr investieren. Den finanziellen Bedarf der Universitäten mit den öffentlichen Ausgaben in Einklang zu bringen, «wird eine der grössten bevorstehenden Herausforderungen», sagte Pulver weiter.


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