Die Landkarte, die eine ganz neue Schweiz zeigt

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sda, E-Bund, 30.07.2009

Städtische Regionen sind progressiv, ländliche konservativ - dieses Bild wird der Schweizer Polit-Geographie nicht gerecht. Eine neue Studie offenbart Verblüffendes.

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Ländliche Gemeinden zeigen in ihrem Abstimmungsverhalten grosse Unterschiede, wie eine «Mentalitätskarte» der Schweiz aufzeigt. Diese Karte wurde von Sotomo, einer Forschungsgruppe am Geographischen Institut der Universität Zürich, für die Zeitschrift «Tele» erstellt. Sotomo hat bereits den «Atlas der politischen Landschaften» erarbeitet.

Laut der «Mentalitätskarte» zeigen sich bei Abstimmungen zwar auf den ersten Blick die erwarteten Stadt-Land-Gegensätze: Die grösseren Städte und ihre Agglomerationen sagen Ja zur Öffnung der Schweiz, zur Integration von Fremden und zu gesellschaftlichen Neuerungen, die ländlichen Gemeinden lehnen dies mehrheitlich ab.

Ligerz und Unterschächen
Dabei gibt es aber frappante Abweichungen. So stehen etwa zahlreiche Bündner Gemeinden sowie Waadtländer und Freiburger Landgemeinden im progressiven Lager.

Zwei Extreme punkto politischem Verhalten sind Ligerz BE am Bielersee (mit 520 Einwohnern) und die 740-Seelen-Gemeinde Unterschächen UR im Schächental. Ligerz sagte 2002 bei den Abstimmungen zum Uno-Beitritt und zur Liberalisierung des Schwangerschaftsabbruches sowie 2005 zum Partnerschaftsgesetz für gleichgeschlechtliche Paare überdeutlich Ja. In Unterschächen wurden alle drei Vorlagen wuchtig verworfen.

Der Zuzug machts aus
Michel Hermann von Sotomo erklärt gegenüber «Tele» die Mentalitätsunterschiede mit der geographischen Lage und der Mobilität der Schweizer. Orte an Sonnen- und Seelage, mit guten Verbindungen in Zentren, wie etwa Ligerz, sind bei Städtern als Wohnsitz beliebt.

Die Neuzuzüger prägen dann die Mentalität ihrer neuen Wohnsitzgemeinden. Auch Tourismus bringt modernes Gedankengut aufs Land, wie das Verhalten bestimmter Bündner und Walliser Gemeinden zeigt.

In entlegeneren Gegenden wie Unterschächen, wo dieser Zustrom weitgehend fehlt, denken die Menschen dagegen eher konservativ. In strukturschwachen Regionen würden Veränderungen zudem oft als Bedrohung empfunden, erklärt Hermann.


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