Protest gegen Wasserprivatisierung in Zürich und Luzern

Zum zweiten Mal kam es bei einem öffentlichen Auftritt von Nestlé-Chef Thomas Brabeck zu Protesten. Neben der allgemeinen Kritik an Nestlé steht vor allem die Privatisierung des Wasser, welche Nestlé wesentlich vorantreibt im Zentrum der Kritik. Bereits beim Internationalen Menschenrechtsforum Luzern (IHRF) am 5. Mai war es zu tumultartigen Szenen gekommen, nachdem die Polizei den Protest vor dem Kongressgebäude auflösen wollte (link_ikon mehr dazu). Gestern wurde in Zürich protestiert als Brabeck an der Universität Zürich über «die Herausforderungen und Chancen der Lebensmittelindustrie» referierte.

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Brabeck über Protest: «An diese Musik bin ich gewöhnt»
Stefan Häne, Tagesanzeiger, 12.05.2009

Uni-Aktivisten haben Dienstag gegen Peter Brabecks Auftritt an der Uni Zürich protestiert – friedlich. Nach seinem Vortrag musste der Nestlé-Chef eine Verbalattacke einstecken.

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Nestlé-Chef Peter Brabeck hatte leichtes Spiel, als er Dienstag am frühen Abend in einem Vorlesungssaal der Universität Zürich über «die Herausforderungen und Chancen der Lebensmittelindustrie» referierte. Flankiert von Sicherheitsleuten, hatte er die Mehrheit der 300 Zuhörerinnen und Zuhörer hinter sich. An der Wand hinter Brabeck prangte der Spruch: «Nestlé. Good Food. Good Life.»

Uni-Aktivisten standen zu diesem Zeitpunkt vor dem Saaleingang und protestierten mit Getöse gegen Brabeck, was dieser mit der Bemerkung quittierte: «An diese Musik bin ich gewöhnt.» Brabeck, der Österreicher, lächelte charmant – und erhielt Applaus vom Publikum, unter das sich diverse Politiker gemischt hatten, etwa Finanzdirektorin Ursula Gut (FDP) und Nationalrätin Kathy Riklin (CVP). Support von der mehrheitlich älteren Zuhörerschaft erhielt Brabeck auch, als er bei der Fragerunde von einem Studenten als «Mörder mit Krawatte» beschimpft wurde. Pfiffe und Buhrufe gab es für den jungen Mann, der kritisiert hatte, Brabeck verunmögliche mit der Privatisierung des Wassers Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser. Später, beim Hinterausgang, sagte Brabeck, die Jugend brauche eben auch Feindbilder. Dann stieg er in den Car, abgeschirmt von Sicherheitsleuten, begleitet von Gut, Riklin und anderen Gästen.

Linksradikale unter Demonstranten

Die Uni-Aktivisten, rund 150 an der Zahl, kriegten Brabecks Abgang kurz vor 20 Uhr nicht mehr mit. Zwei Stunden zuvor hatten sie vor dem Haupteingang an der Rämistrasse eine «Uni frei von Konzerninteressen» gefordert. Angeprangert hatten sie auch den «Skandal», dass die Uni mit dem Segen des Universitätsrats, einer Ansammlung «neoliberaler Kräfte», für einen «Brutalo-Konzern» werbe. Unter den Demonstrierenden tummelten sich auch Linksaktivisten wie Andrea Stauffacher vom Revolutionären Aufbau.

Aufgerufen zur Kundgebung hatte das Komitee «Uni von unten». Es kämpft für weniger Einfluss der Privatwirtschaft auf die öffentliche Bildung. Das Komitee zog gestern eine positive Bilanz. «Wir haben unsere Kritik friedlich vorbringen können», sagte ein Sprecher auf Anfrage. Zu den befürchteten Krawallen sei es nicht gekommen. Offen ist, wie es mit der Gruppierung weitergeht. Die Mitglieder werden demnächst darüber beraten. Zur Diskussion steht eine engere Zusammenarbeit mit Basisbewegungen an anderen Schweizer Universitäten.


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