Neuer Rückschlag für den globalen Klimaschutz

Jan Knüsel/SDA, tagesanzeiger.ch, 09.10.2010

Die UNO-Klimaverhandlungen in China haben die grossen Streitfragen nicht lösen können. Noch bleiben zwei Monate bis zum Weltklimagipfel in Cancún.

Zwei Monate vor dem Weltklimagipfel im mexikanischen Cancún gab es keine Fortschritte beim Vorhaben, die Treibhausgase stärker zu verringern. Die Unterhändler aus 177 Ländern stritten über die Finanzierung des Klimaschutzes und die rechtliche Form eines künftigen Weltklimavertrages.

Die Delegationen der EU, USA und Chinas zeigten sich zum Abschluss am Samstag enttäuscht über den Mangel an Ergebnissen. Es gab lediglich Annäherung bei der Schaffung eines geplanten Klimafonds, der in Mexiko beschlossen werden könnte.

Offene Streitigkeiten
Die sechstägigen Verhandlungen waren überschattet von offenen Streitigkeiten zwischen den USA und China. Der US-Unterhändler Jonathan Pershing forderte von China und anderen Schwellenländern, sich gemessen an ihren Fähigkeiten stärker am Klimaschutz zu beteiligen. «Wir erwarten, dass alle grossen Emissionsländer etwas tun.»

Er räumte ein, dass es ohne eine Einigung zwischen China und den USA keine Lösung geben werde. Die beiden grössten Klimasünder sind für die Hälfte der heutigen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.

Gegenseitige Schuldzuweisungen
China machte die USA und andere Industrienationen für den Stillstand in den Verhandlungen verantwortlich. Einige reiche Länder versuchten, sich vor ihren Verpflichtungen zum Abbau der Treibhausgase zu drücken und das Kyoto-Protokoll zu ändern, sagte der chinesische Unterhändler Su Wei.

Rund 3000 Teilnehmer waren zu der vierten und letzten Verhandlungsrunde vor dem Gipfel nach Tianjin gereist. Es war das erste Mal, dass UNO-Klimaverhandlungen in China stattfand, dem Land mit dem zwar grössten Energieverbrauch der Welt, jedoch längst nicht dem grössten Energieverbrauch pro Kopf.

Rennen gegen die Zeit nötig
Umweltschützer nahmen «einige Fortschritte» in Tianjin zur Kenntnis, übten aber scharfe Kritik an den Teilnehmerländern. Es mangle an politischem Willen, ohne den die Verhandlungen auch in Zukunft nur «im Schneckentempo» vorankommen werden, sagte Wendel Trio von der Umweltorganisation Greenpeace. Die Regierungen sollten sich die jüngsten Überschwemmungen und andere extreme Wetterphänomene anschauen. «Es ist ein Rennen zur Rettung des Klimas.»

«Es ist enttäuschend, dass wir nicht die Fortschritte gemacht haben, die wir wollten», sagte EU-Delegationsleiter Peter Wittoeck aus Belgien. Bei der Verringerung der Treibhausgase seien die Unterhändler weit von einer Einigung entfernt. Der Gipfel in Cancún sei nur ein Schritt auf dem Weg zu einem Weltklimavertrag. Es gebe eine «sehr grosse Kluft» zwischen der bisherigen Übereinstimmung und den gewünschten Ergebnissen in Cancún, sagte EU- Unterhändler Jürgen Lefevere, der aber die Hoffnung nicht aufgeben wollte.

UNO-Klimachefin Christiana Figueres meinte, dass alle Parteien jetzt «mehr Klarheit» hätten, was in Cancún erreicht werden könne. Sie äusserte Verständnis für die «Enttäuschung über den multilateralen Prozess». Die Aufgabe dürfe aber nicht unterschätzt werden. Es gehe beim Klimaschutz um «die grösste Transformation», die die Welt bisher gesehen hat. Als Gastgeberin des Gipfels vom 29. November bis 10. Dezember sagte die mexikanische Aussenministerin Patricia Espinosa: «Wir haben noch viel Arbeit zu leisten. Die Zeit wird knapp.»

Grössere Einschnitte gefordert
China und die Entwicklungsländer, die nach dem Kyoto-Protokoll bisher nicht zur Verringerung von Treibhausgasen verpflichtet sind, fordern von den reichen Industrieländern viel weitergehende Einschnitte als bisher zugesagt.

Die USA, nach China das Land mit dem zweitgrössten CO2, jedoch mit dem grössten Pro-Kopf-Ausstoss von Treibhausgasen, sind dem Abkommen nie beigetreten. So decken die zur Begrenzung verpflichteten Kyoto-Parteien heute nur 28 Prozent der weltweiten Emissionen ab. Das Kyoto-Protokoll läuft 2012 aus.



Martin Durrer, Echo der Zeit (DRS1), 09.10.2010

Klimatreffen in China endet ergebnislos

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Man hatte sich einiges vorgenommen - vielleicht auch zu viel: Ein ausgewogenes Verhandlungspaket war Anfang der Woche noch das Ziel, als in der nordchinesichen Stadt Tianjin die Uno-Klimakonferenz begann. Die letzte Gesprächsrunde vor dem Klimagipfel in Cancun aber brachte kaum greifbare Ergebnisse. Die Positionen liegen weit auseinander und zu kompromisslos wurden sie vertreten.


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