Kunstprotest gegen Sauberkeitswahn in Berns Innenstadt

In der Nacht vom 3. Januar zum 4. Januar 2010 haben einige KünstlerInnen in der Berner Innen-Stadt 16 bemahlte Leinwände angebracht.

Aus der Medienmitteilung geht hervor, dass es sich dabei um eine direkte Aktion gegen die Berner Sauberkeitspolitik und CasaBlanca handelt. So schreiben die UrheberInnen

[Die Aktion] soll als direkter Protest gegen CasaBlanca gesehen werden. CasaBlanca steht Symbolisch für die Kommerzialisierung des sogenannten öffentlichen Raumes. Daseinsberechtigung hat nur wer bezahlt. Alle Anderen werden nicht geduldet und müssen auch mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen.
Unter dem Dogma des Neoliberalismus soll eine sterile, anonyme, tote einzig auf wirtschaftlichen Profit ausgerichtete Innenstadt, in der „mit vereinten Kräften“ gegen „Verunstaltungen und Schmierereien“ vorgegangen wird, erschaffen werden.


Für alle die über “CasaBlanca” Bern nichts wissen hier die Zielsetzung:

Um dem wirkungsvoll dem verschmieren von Häusern und Brücken entgegen zu treten, haben die Behörden der Stadt Bern gemeinsam mit der Gebäudeversicherung des Kantons Bern (GVB), dem Hauseigentümerverband Bern und Umgebung und dem City-Verband Bern den Verein «CasaBlanca» Bern gegründet.
Mit vereinten Kräften sollen dank «CasaBlanca» Verunstaltungen und Sprayereien reduziert und bekämpft werden. Eine Kombination von Präventions-, Repressions- und Reinigungsaktionen verspricht Erfolg.
Sprayende sollen eruiert und zur Rechenschaft gezogen werden. Sprayereien und Graffitis sollen möglichst innerhalb von 48 Stunden wieder entfernt sein.


Quelle:
link_ikon ilovegraffiti.de

Kunst statt Vandalismus: Eines der Bilder wurde am Lift unter dem Baldachin angebracht.


Aus der Presse:

Kunstprotest in der Berner Innenstadt
Jonathan Spirig, DerBund.ch/Newsnetz, 04.01.2009


«CasaBlanca» stehe für die Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes. Es dürfe nur sein, was rentiere. Anderes werde nicht geduldet und strafrechtlich verfolgt. Diese Vorwürfe stammen von «Casa de Vida». Die Verantwortlichen wollen dies nach eigenen Angaben nicht länger dulden und für eine «kreative, selbstbewusste und gelebte Stadt» sorgen. Als erste Massnahme wurden in der Nacht auf Montag 16 Bilder von unbekannten Künstlerinnen und Künstlern in der Berner Innenstadt aufgehängt.

Kein Vandalismus
Die Kunstwerke wurden beim Baldachin, in der Spitalgasse, der Marktgasse, beim Waisenhausplatz und in der Neuengasse aufgehängt. Zudem wurden zwei Leinwände an der «CasaBlanca»-Wand beim Käfigturm platziert. Die meisten Bilder waren am späten Vormittag allerdings schon nicht mehr an ihrem Platz.
Die Verantwortlichen hoffen, dass die Bilder von der breiten Bevölkerung als «schön» wahrgenommen wurden und nicht als Vandalenakte. «Wir erwarten die Bilder nicht zurück. Hoffentlich sind sie bei jemandem zu Hause gelandet und nicht im Müll», teilen sie in einer Mail mit.
Wenn die Aktion auf ein positives Echo stösst, könnte auch im Sommer wieder ein ähnliches Projekt umgesetzt werden. Konkret geplant sei aber noch nichts.

«Casablanca» unbeeindruckt

«Ich habe auch von der Aktion erfahren, selbst aber keines der Bilder gesehen», stellt Lukas Manuel Herren, Geschäftsführer des Vereins «CasaBlanca», klar. Dass die Verantwortlichen anonym agieren spreche für sich und auch die erhobenen Vorwürfe seien falsch.
Es seien gewisse Regeln nötig, dazu gehöre auch der Schutz von Privateigentum. «CasaBlanca geniesst breite Unterstützung. 70% der Hauseigentümer sind dabei, wir sind voll akzeptiert», so Herren.
Der Verein lasse sich durch solche Störmanöver nicht vom eingeschlagenen Kurs abbringen und werde seine Ziele (siehe Kasten) weiterverfolgen.

Legale Spraywände uninteressant

Kulturelle Möglichkeiten gebe es in der Stadt Bern genug. Es seien vor allem Tags, die nichts mit Kunst zu tun haben, die störten. Legale Spraywände seien aber offenbar nicht interessant, weil der Kick vom Illegalen dazugehöre.
Herren bestätigt, dass seine Mitarbeiter die Bilder entfernt hätten, wenn sie denn welche gesehen hätten. «Bei mir hängen jetzt aber nicht 16 Bilder im Büro...».


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