Uno-Klimakonferenz in Kopenhagen

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nab, dpa, link_ikon Weltenergie-Bericht 2009 der IEA, DRS online

Klimaziele der wichtigsten Industrieländer
Wenige Tage vor dem Uno-Klimagipfel in Kopenhagen hatten die Industrie- und Schwellenländer sehr verschiedene Vorstellungen über die Massnahmen zur Minderung von klimaschädlichem Kohlendioxid gezeigt: Ein Überblick.

China

Laut Daten der International Energy Agency (IEA) für 2007 ist China mit 6,1 Milliarden Tonnen Treibhausgas-Ausstoss der weltgrösste Emittent von CO2.

Knapp zwei Wochen vor Beginn des Weltklimagipfels kündigte die Führung in Peking erstmals konkrete, wenn auch unverbindliche Ziele an: Der Ausstoss der Treibhausgase soll künftig nicht mehr ganz so stark zulegen wie das Wirtschaftswachstum und bis 2020, gemessen an der Wirtschaftsleistung, um 40 bis 45 Prozent gegenüber dem Stand von 2005 sinken.

Aus chinesischer Sicht müssen die führenden Industrienationen mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Emissionen bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 mindern.

USA
Die USA, mit 5,8 Milliarden Tonnen CO2-Ausstoss hinter China auf Platz zwei der grössten Verschmutzer, gelten als grösster Bremser auf dem Weg zur internationalen Einigung auf ein neues Klima-Abkommen.

Das Repräsentantenhaus billigte eine Gesetzesvorlage, die eine Senkung der Treibhausgase um 17 Prozent bis 2020 im Vergleich zu 2005 vorsieht. Im Verhältnis zum Referenzjahr 1990 wären das nur 4 Prozent.

Der Umweltausschuss des Senats strebt 20 Prozent bis 2020 an - ebenfalls im Vergleich zum Stand von 2005.

Europäische Union
Die 27 Staaten der EU - mit insgesamt 3,4 Milliarden Tonnen CO2-Ausstoss im Jahr 2006 - wollen in Kopenhagen eine führende Rolle spielen. Ziel ist die Minderung der Emissionen um 20 Prozent bis 2020.

Wenn andere massgebliche Länder mitspielen, soll die Vereinbarung auf 30 Prozent erweitert werden. Aus Sicht des Uno-Klimasekretariats ist allerdings eine baldige Senkung von 25 bis 40 Prozent erforderlich, um den Klimawandel wenigstens zu begrenzen.

Nach dem Willen der EU sollen sich die reichen Länder verpflichten, ihren CO2-Ausstoss bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu mindern. Daher erhöhten die EU-Staaten den Druck auf die USA, aber auch auf China vor dem Gipfel.

Russland
Russland, mit 1,6 Milliarden Tonnen CO2-Ausstoss auf Platz drei der weltweiten Rangliste im Jahr 2006, hat kurz vor dem Klimagipfel die Linie der EU übernommen und will seine CO2-Emissionen um bis zu 25 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 vermindern. Vorher hatte sich der Kreml lediglich auf eine Senkung um 10 bis 15 Prozent festgelegt.

Klimaexperten weisen allerdings darauf hin, dass Russlands Ausstoss durch den Zusammenbruch der Industrie Anfang der 1990er Jahre ohnehin schon um knapp 34 Prozent gesunken ist.

Indien
Indien, mit 1,5 Milliarden Tonnen Ausstoss weltweit auf Platz vier, macht vor allem die entwickelten Industrieländer für den Klimawandel verantwortlich. Umweltminister Jairam Ramesh kündigte an, sich in Kopenhagen nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Interessen der Entwicklungsländer einzusetzen.

Auch er hat ein nationales Ziel vorgelegt: Bis zum Jahr 2020 soll der sogenannte Emissionsfaktor um 20 bis 25 Prozent im Vergleich zu 2005 abgesenkt werden. Das bedeute, für jede im Rahmen des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftete Rupie werde dann ein Viertel weniger Kohlendioxid ausgestossen.
Afrikanische Union

Die Afrikanische Union mit ihren 52 Mitgliedsstaaten will die Industrieländer ähnlich wie China dazu verpflichten, 40 Prozent weniger CO2 auszustossen. 0,5 Prozent ihres Bruttosozialprodukts sollen die reichen Länder den Entwicklungsländern für Massnahmen gegen den Klimawandel zur Verfügung stellen.

Ausserdem wollen sich die afrikanischen Staaten mit einer Milliardensumme für Klimaschäden entschädigen lassen. Afrika gilt als der Kontinent, der am meisten unter den Folgen des Klimawandels zu leiden hat, ohne ihn zu verursachen. Die afrikanischen Länder stossen zusammen jährlich 882 Millionen Tonnen CO2 aus.

Brasilien
Brasilien, fünftgrösstes Land der Erde mit einem Ausstoss von 347 Millionen Tonnen, reist mit ehrgeizigen Zielen nach Kopenhagen: Es will seine Emissionen, gemessen an der Wirtschaftsleistung, bis 2020 um fast 40 Prozent senken und damit rund eine Milliarde Tonne CO2 sparen.

Etwa ein Viertel der Vorgabe soll erreicht werden, indem erheblich weniger Regenwald abgeholzt wird. Sollte das gelingen, würden die Emissionen auf das Niveau des Jahres 1994 zurückfallen.

Japan
Der sechstgrösste Klimasünder mit 1,3 Milliarden Tonnen Ausstoss will seine Treibhausgase von 1990 bis 2020 um 25 Prozent reduzieren.

Die finanzielle und technische Hilfe für Entwicklungsländer werde zudem erhöht, kündigte der neue Premier Yukio Hatoyama an. Die japanische Industrie ist gegen diese Pläne.

Südkorea
Die viertgrösste Volkswirtschaft Asiens will beim CO2-Ausstoss fast ein Drittel unter dem prognostizierten Niveau von 2020 bleiben. Das entspreche einer Verminderung um 4 Prozent im Vergleich zu 2005, teilte das Präsidialamt mit.

Unter anderem soll der Anteil erneuerbarer Energien von jetzt 2 auf 11 Prozent bis 2030 und auf 20 Prozent bis 2050 zunehmen. Mit 475 Millionen Tonnen CO2-Ausstoss liegt Südkorea auf Rang 9 der grössten Klimasünder.

Australien

Die australische Regierung wollte den Klimazielen der EU folgen und den Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten einführen. Die Opposition lehnte den Gesetzentwurf jedoch im Senat ab, so dass Premierminister Kevin Rudd mit leeren Händen nach Kopenhagen reisen muss.

Den Plänen nach sollte der Handel im Juli 2011 beginnen und für die grössten 1000 Luftverschmutzer des Landes gelten. Die Regierung wollte die Emissionen bis 2020 um 5 bis 15 Prozent unter das Niveau von 2000 senken. Kohlekraftwerke decken 80 Prozent des australischen Energiebedarfs. 2006 stiess Australien 372 Millionen Tonnen CO2 in die Luft.

Golfstaaten

Die Golfstaaten - mit einem Ausstoss von 717 Millionen Tonnen - haben bisher keine verbindlichen Zusagen gemacht. Sie wollen die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid vorantreiben.

Abu Dhabi und Qatar, das mit 58 Millionen Tonnen den weltweit höchsten Pro-Kopf-Ausstoss an CO2 hat, investieren stark in die Entwicklung erneuerbarer Energien.


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