SBB rüsten 100 Bahnhöfe mit Videokameras aus

Nadja Pastega, Sonntag, 7.6.09

Auch kleinere Stationen sind künftig überwacht - das soll die Sicherheit verbessern 29 Bahnhöfe sind schon heute video- überwacht. Jetzt folgen weitere 100.

Die SBB wollen die Sicherheit auf Bahnhöfen und in den Zügen weiter verbessern. Pressesprecher Reto Kormann bestätigt gegenüber "Sonntag", dass geplant sei, bis 2010 rund 100 Regionalbahnhöfe neu mit Videosystemen auszurüsten. "Wichtige Kriterien für die Ausrüstung sind das Personenaufkommen und die Exponiertheit der Bahnhöfe", sagt Kormann.

Die Kamera-Offensive hat zwei Ziele: Sie soll präventiv wirken und das subjektive Sicherheitsgefühl der Kunden verbessern. Und sie soll bei der Fahndung nach Gewalttätern helfen - so wie vor zehn Tagen, als am Bahnhof Kreuzlingen TG mithilfe von Videoaufnahmen drei Schläger verhaftet werden konnten. Datenschützer meldeten in den letzten Tagen Bedenken gegen die Internet-Fahndung an und verglichen sie mit dem mittelalterlichen Pranger - die SBB setzen nichtsdestotrotz auf den Ausbau der Videoüberwachung.

Dies nicht nur auf den Bahnhöfen, sondern auch in den Zügen. "Wir haben in die jüngste Ausschreibung für die Doppelstock-Fahrzeuge des Fernverkehrs eine optionale Ausrüstung mit Videoüberwachung integriert", sagt SBB-Sprecher Kormann. Bereits heute sind 400 Regionalzüge mit Kameras versehen und bis 2012 sollen die älteren Wagen nachgerüstet werden.

Die Erfahrungen der bisherigen Videoüberwachung sind vielversprechend. Kormann: "Dort, wo Kameras klar sichtbar sind, findet weniger Vandalismus statt." Dies sowohl auf den Bahnhöfen als auch in den Zügen, so etwa in der Zürcher S-Bahn.

Besonders erfreulich: Die Zahl der Tätlichkeiten gegenüber Reisenden und Personal ging in den letzten vier Jahren um 10 Prozent zurück, obwohl die Personenfahrten um 28 Prozent zunahmen. Die Vermutung liegt nahe, dass die zunehmende Präsenz von Kameras dafür mitverantwortlich ist.


Wegen Gewalt: SBB rüsten 100 Bahnhöfe mit Kameras aus

Nicht nur im Regionalverkehr, auch in Schnellzügen könnten Videokameras installiert werden. Der Fahndungserfolg bei den grinsenden Schlägern von Kreuzlingen hat gezeigt, wie wirksam Videoüberwachung auf Bahnhöfen sein kann. Jetzt wird sie ausgebaut.


Die SBB haben ein ehrgeiziges Projekt in der Schublade. Die Videoüberwachung auf den Bahnhöfen soll massiv ausgebaut werden. Es ist geplant, bis 2010rund 100 Regionalbahnhöfe neu mit Videosystemen auszurüsten, wie die SBB bestätigen. "Wichtige Kriterien für die Ausrüstung sind das Personenaufkommen und die Exponiertheit der Bahnhöfe", sagt SBB-Sprecher Reto Kormann.

Heute sind die grösseren SBB-Bahnhöfe bereits videoüberwacht. Es sind dies: Basel, Bern, Genf, Lausanne, Luzern, St. Gallen, Winterthur, Zürich Hauptbahnhof und Zürich Stadelhofen. Auch in rund zwanzig Regionalbahnhöfen sind Videokameras installiert. Die Aufnahmen werden rund um die Uhr aufgezeichnet.

Auch in den Zügen bauen die SBB die Videoüberwachung aus. Heute sind rund 400 Fahrzeuge im Regionalverkehr videoüberwacht. Sie verkehren in sämtlichen Regionen der Schweiz - bis 2012 sollen auch ältere Wagen mit Überwachungskameras nachgerüstet werden. Bei Neuanschaffungen gehören Videoinstallationen zur Grundausstattung.

Sogar in den Schnellzügen schaffen die SBB die technischen Voraussetzungen für eine Überwachung: Im Fernverkehr sind alle neuen Wagen, die zurzeit bestellt werden, dafür ausgerüstet, dass man Kameras einbauen könnte. "Wir haben in die jüngste Ausschreibung für die Doppelstock-Fahrzeuge des Fernverkehrs eine optionale Ausrüstung mit Videoüberwachung integriert", bestätigt SBB-Sprecher Kormann. Die bestehende Fernverkehrsflotte ist dagegen noch nicht mit Kameras ausgerüstet. Auch sei "zurzeit" keine Nachrüstung vorgesehen.

Gewalt und Vandalismus hätten zugenommen, begründen die SBB ihre Überwachungsoffensive. Bahnhöfe und Züge würden vermehrt Schauplätze von strafbaren andlungen. "Wir stellen fest, dass dort, wo Videokameras gut sichtbar sind, weniger Vandalis- mus stattfindet", sagt Kormann. Zudem könnten die Videoaufnahmen der Beweissicherung bei Straftaten dienen sowie Hinweise für die Ermittlung der Täterschaft liefern.

So geschehen im Fall der drei Schläger, die auf dem Bahnhof Kreuzlingen TG zwei junge Schweizer brutal zusammenschlugen. Das Prügel-Trio wurde rasch gefasst: Bei ihrem Überfall waren die Schläger von einer SBB-Überwachungskamera gefilmt worden. Die Kantonspolizei Thurgau stellte den Film ins Internet.

Die Videoüberwachung ist Teil eines Pakets, mit dem die SBB ihre Sicherheitsmassnahmen verstärken wollen. Dazu gehören: In so genannten "Problemzügen" sind Verstärkungen im Einsatz. Die Billettkontrolleure werden seit Januar von Bodyguards der Securitas eskortiert. Bis in einem Jahr sollen Zugbegleiter in allen Zügen nur noch in Doppelbesetzung auftreten. Patrouillen der Bahnpolizei sollen potenzielle Vandalen und Gewalttäter abschrecken. Seit Ende April setzen die SBB im Rahmen ihres Gewaltpräventionsprogramms "RailFair", das 2003 aufgestartet wurde, so genannte "Präventionsassistenten" ein, um gegen Randalierer vorzugehen.

Die verstärkten Sicherheitsmassnahmen würden Wirkung zeigen, heisst es bei den SBB. Es komme zu weniger Tätlichkeiten gegenüber Reisenden und Personal. "Obwohl sich die Zahl der Personenfahrten seit 2004 um 28 Prozent erhöhte, ging die Zahl der Tätlichkeiten zurück", sagt SBB-Sprecher Kormann. 2004 registrierten die SBB 544 Übergriffe auf Reisende und Personal. 2008 waren es noch 489 - eine Abnahme um 10 Prozent.


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