Tutorium` Marxistische Analyse

Veranstaltung 3, 9. März 2009

Karl Marx: „Lohn, Preis und Profit“ (1865)
link_ikon Lohn, Preis und Profit (1865)

"Lohn, Preis und Profit" wurde von Marx an der 1. Internationalen Arbeiterassoziation (auch: „Erste Internationale“) 1865 vorgetragen. Die Ziele, jenes sich aus 13 Vertretern verschiedener Arbeitergesellschaften in Europa und den USA konstituierenden Zusammenschluss waren der Schutz, der Fortschritt und die vollständige Emanzipation der Arbeiterklasse.

Die kurze Schrift zählt zu den nach Althusser (1968) so genannten „Werke der Reife“ und wurde erstmals 1898 von Marx’ Tochter unter dem Titel „Value, price and profit“ veröffentlicht. Marx Ausgangspunkt zur Verfassung der Schrift waren die „Epidemie von Streiks“ (Marx: 1) und eine „allgemeine“ (ibd: 1) Unzufriedenheit in Bezug auf Arbeiterlöhne. Marx präsentiert seine (Gegen-)Argumente entlang „theoretisch falscher und praktisch gefährlicher“ (ibd: 2) Aussagen von Bürger Weston.

Zentrale Aussagepunkte (S. 41):
  • „Eine allgemeine Steigerung der Lohnrate würde auf ein Fallen der allgemeinen Profitrate hinauslaufen, ohne jedoch, allgemein gesprochen, die Warenpreise zu beeinflussen.“
  • „Die allgemeine Tendenz der kapitalistischen Produktion geht dahin, den durchschnittlichen Lohnstandard nicht zu heben, sondern zu senken.“
  • Gewerkschaften haben die gemeinsame Aufgabe die Arbeiterklasse zu befreien, resp. das Lohnsystem abzuschaffen.

Rosa Luxemburg: „Die Akkumulation des Kapitals“ (Kapitel 1 und 4)

Rosa Luxemburg wurde 1871 als Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie in Zamość (Kongresspolen) geboren. Sie besuchte das Gymnasium in Warschau, wo sie zum ersten Mal politisch aktiv wurde. Nach dem Abitur 1888 zog sie nach Zürich um Philosophie, Geschichte, Politik, Ökonomie und Mathematik zu studieren. 1893 war sie Mitbegründerin der Polnischen Sozialistischen Partei. Nach der Promotion zog sie nach Berlin und trat der SPD bei. Sie wurde rasch Wortführerin des linken Parteiflügels. In Berlin lehrte sie an der Parteischule der SPD, wo sie auch ihr Hauptwerk „Die Akkumulation des Kapitals“ (1913) schrieb. Die Zustimmung der SPD zu den Kriegskrediten 1914 lehnte Rosa Luxemburg ab. Zusammen mit anderen Parteilinken gründete sie den späteren „Spartakusbund“. Nach dem Krieg schloss sich der „Spartakusbund“ mit anderen Linksparteien zur Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) zusammen. In der Folge des so genannten Spartakusaufstandes musste Luxemburg untertauchen. Sie wurde jedoch entdeckt und 1919 zusammen mit Karl Liebknecht von einem Freikorpsmitglied ermordet.

Zusammenfassung

Im ersten Kapitel von „Die Akkumulation des Kapitals“ beschreibt Rosa Luxemburg das Problem der Reproduktion. Reproduktion ist demnach die stetige Erneuerung des wirtschaftlichen Produktionsprozesses, welche notwendig ist, um den regelmässigen Konsum zu gewährleisten. Reproduktion ist eine Tätigkeit, die in allen Gesellschaftsformen vorkommt. Die kapitalistische Produktionsweise hat aber die Eigenheit, dass die Reproduktion nicht nur von technischen Bedingungen abhängt (Arbeitskräfte, Produktionsmittel) sondern besonders auch von einer gesellschaftlichen Bedingungen. Damit gemeint ist die Bedingung, dass nur Produkte hergestellt werden, die einen Profit abwerfen können. Der Profit gilt im Kapitalismus als Endzweck.

Der kapitalistische Produzent erwirtschaftet den Profit durch die Abschöpfung eines Mehrwertes. Der Mehrwert wird gemäss Marx dadurch generiert, dass dem Arbeiter nur einen Teil des Arbeitswertes in Form des Lohnes zurückerstattet wird. Damit setzt sich der Preis eines Produktes zusammen aus dem konstanten Kapitalteil (c), dem variablen Kapitalteil (v) und dem Mehrwert (m). Kann der Kapitalist das Produkt verkaufen hat er damit mehr Geld erwirtschaftet als er in die Herstellung investiert hat.

Im Gegensatz zu historischen Gesellschaften lenkt nicht die gesellschaftliche Nachfrage die Produktion, sondern die Motivation des Kapitalisten, immer mehr Mehrwert zu produzieren. Der Kapitalist wird geradezu gezwungen, seine Produktion zu erweitern, will er nicht im kapitalistischen Wettbewerb verlieren. Erweiterte Reproduktion bedeutet, dass der Kapitalist einen Teil des Mehrwerts zum Kapital schlägt, also in Material, Infrastruktur oder Arbeitskräfte investiert. Dieser Vorgang, die Verwandlung des Mehrwertes in tätiges Kapital, wird als Akkumulation bezeichnet. Erweiterte Reproduktion ist nicht nur dem Kapitalismus eigen. In jeder fortschrittlichen Gesellschaft ist die Ausdehnung der Produktion über die unmittelbaren Bedürfnisse hinaus notwendig. Im Kapitalismus jedoch hat die Erweiterung der Reproduktion einen zwanghaften und endlosen Charakter.

In Kapitel 4 bespricht Luxemburg das Schema der einfachen Reproduktion bei Marx. Marx geht bei seiner Beschreibung des kapitalistischen Reproduktionsprozesses von gewissen Bedingungen aus: Der Kapitalist muss sein Produkt in Geld umwandeln können um damit Maschinen, Rohstoffe, ect. kaufen zu können. Zudem muss der Arbeitsmarkt genügend Arbeiter zur Verfügung stellen und es müssen genügend Nahrungsmittel (allgemein Konsumprodukte) vorhanden sein, um die Arbeiter zu ernähren. Marx unterteilt die Industrie in zwei Abteilungen: Die erste Abteilung stellt Investitionsgüter her (Maschinen, Rohstoffe usw.), die zweite Abteilung ist für die Herstellung von Konsumgütern verantwortlich (Nahrungsmittel, Kleider usw.). Zwischen den beiden Industriezweigen muss aufgrund der obigen Bedingungen der erweiterten Produktion ein gewisses Gleichgewicht herrschen.

Thesen
  • Nach Luxemburg hat der Kapitalismus die „unaufhörliche Tendenz zur Ausdehnung der Reproduktion“ (S. 6). Luxemburg erklärte damit die Ausweitung der kapitalistischen Produktionsweise in nicht-kapitalistische Regionen der Welt. Der Kapitalismus hat aber die Eigenschaft, nicht nur auf der Makroebene zu wachsen - er breitet sich über verschiedene Skalenbereiche aus.
  • Die wirtschaftliche Entwicklung einer Gesellschaft hin zu einer Revolution ergibt sich laut Marx zwangsweise aufgrund der inneren Logik der Produktionsart. Die Ausdehnung des Kapitalismus, wie dies Luxemburg beschreibt, ist dem Sozialisten, der Sozialistin daher willkommen.
  • Mit seinem universalistischen Entwicklungsschema sozialer Gruppen widerspricht Marx seinem (kommunistischen) Ideal der freien Entwicklung eines jeden.
  • Die Entwicklung hin zum Privateigentum entspricht dem Wesen des Menschen.


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